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Foto links: Museum Behnhaus Drägerhaus Lübeck

... und "Die schnell zu machende Biersuppe"

"Die Vespersuppe" ca. 1885, Figurenstudie zum Gemälde Vespersuppe im Lübecker Waisenhaus von Gotthardt Kuehl

und "Die schnell zu machende Biersuppe" nach Luise Davidis-Holle von Eva Ammermann

Der Maler Gotthardt Kuehl (*1850 in Lübeck – †1915 in Dresden) hat sich in mehreren seiner Werk dem Lübecker Waisenhaus gewidmet. Szenen, die die Waisenkinder beim Spielen, Lesen, Handarbeiten oder bei der Küchenarbeit zeigen, wurden von ihm festgehalten; auch ein junges Mädchen, das mit einem Suppengefäß in der Hand im Speisesaal steht - die Vespersuppe. Auf einer Heliogravur von Gotthardt Kuehl (1887) sieht man, wie sich die Szene zum rechten Bildrand hin erweitert. Auf der äußeren rechten Seite steht ein großer Suppentopf aus dem zwei Frauen das Essen ausgeben. In der Mitte des Bildes sitzen junge Waisenhausmädchen an langen Tischen, die dem Tun interessiert zuschauen.
Gegründet wurde das Waisenhaus 1547, nachdem durch einen strengen Winter die Ernte ausgefallen war, und unerschwingliche Preise für Korn und Brot eine große Hungersnot auslösten. Zu prekärer Lebensmittelversorgung kam es im Laufe der Jahrhunderte, wenn auch in unregelmäßigen Abständen, immer wieder. So auch im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648), als das Waisenhaus gezwungen war Sammelbüchsen in Gasthäusern aufzustellen und Lübecker Bürger den Kindern sogenannte Speisungen vermachten und
z. B. einen Braten spendierten. Die „Revidirte Ordnungen des Armen Waisen=Hauses zu Lübeck 1747“ beschreibt sehr detailliert die Lebensmittelversorgung der Waisenhaus-
zöglinge. Zum immer wiederkehrenden Gericht gehörten Gersten-, Hafer- oder Buchweizengrütze in Milch oder Wasser gekocht und ein Butterbrot, dazu den ganzen Tag Schiffsbier. Abends gab es im Winter eine Schüssel voll Warmbier und im Sommer kalte Milch und eine Schnitte Butterbrot. Dienstags wurden Kohl oder Erbsen und eingeschnittene Caldaunen (Pansen und/oder Innereien) gereicht und am Mittwoch Gestengrütze und Stockfisch. Zu besonderen Anlässen gab es Reis in Milch gekocht und eine Semmel.
Das Auftragen der Vespersuppe von Gotthardt Kuehl findet im Speisesaal des Waisenhauses am Domkirchhof statt, wo es 1810 von der Weberstraße aus hingezogen war und auch bis zu seiner Auflösung 1929 blieb. Im Kellergewölbe des neuen Gebäudes wurden die Bierfässer für das Braunbier gelagert und auch der Hausboden diente der Lagerung von Lebensmittel. Ende des 19. Jahrhunderts, als der Maler Gotthardt Kuehl das Leben der Waisenkinder in seinen Bildern festgehalten hat, wurde das Waisenhaus aufwendig modernisiert; die Sanierung wurde durch staatliche Zuwendungen und Spenden ermöglicht. Das Haus erhielt Wasserleitungen und Sanitäre Einrichtungen, sowie eine neue Küche, in der die erste Suppe einer Überlieferung nach infolge der neuen Technik angebrannt sein soll.
Das Gebäude wurde 1942 bei einem Bombenangriff zerstört.
Eines der meist verwendeten Kochbücher der damaligen Zeit war das „Praktische Kochbuch“ von Henriette Davidis. Nach ihrem Tod 1876 wurde es von verschiedenen Verfasserinnen weitergeführt, wie auch von Luise Holle, die das Rezept einer Schnell zu machenden Biersuppe der Sammlung hinzufügte. Biersuppen waren aber auch davor schon beliebt und es gibt viele Varianten diese Suppenspezialität zu bereiten. Dass der Genuss von Bier auch allgemein für Kinder vorgesehen war zeigt ein Kinderkochbuch von Henriette Davidis - in einer Kochanweisung wird eine Obertasse Bier für das Bereiten einer Biersuppe aufgeführt.

2016

Die Vespersuppe

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